Tag 1

 

Tag 2

 

Tag 3

 
 

Tag 4

 

Tag 5

 
 

Kosovo und die Schweiz – der Kontakt zwischen der FMS Bern Neufeld und dem Gymnasium Deçan geht weiter

Auch dieses Jahr durften wir vom 9. bis 18. Mai 2017 eine Delegation von 14 Schülerinnen und 4 Lehrpersonen des Gymnasiums Deçan bei uns willkommen heissen.

 

Dienstag, 9. Mai 2017

14 Schülerinnen und Schüler sowie 4 Lehrpersonen, darunter der Vizedirektor, des Gymnasiums Vëllezërit Frashëri der west-kosovarischen Stadt Deçan landeten pünktlich um 11.35 Uhr auf dem Genfer Flughafen und wurden von einer Delegation der FMS am Gymnasium Neufeld Bern empfangen.

Mit einem Picknick ausgerüstet, das im Bus verzehrt wurde, begab sich die Gruppe sogleich nach Bern, wo sie im Bundeshaus von Nationalrat Kurt Fluri (FDP, Solothurn) empfangen wurde. NR Fluri gewährte den Gästen aus Deçan eine Privat-Führung durch das Parlamentsgebäude. Im Anschluss daran führten er und als Vertreterin der Botschaft der Republik Kosovo Botschaftsrätin und stellvertretende Botschafterin Fatmire Musliu mit den Schülerinnen und Schülern aus Deçan ein ausführliches Gespräch über die Beziehungen zwischen der Schweiz und der Republik Kosovo. Der Schweizer Politiker und die kosovarische Vertreterin betonten die guten Beziehungen der beiden Länder zueinander. Den Schülerinnen und Schülern war es wichtig zu betonen, dass der Austausch im Bildungsbereich (z. B. durch Stipendien für ein Austauschjahr als Schüler/Schülerin oder Student/Studentin) noch intensiviert werden könnte. Fatmire Musliu lud zum Schluss des Gesprächs die Gäste aus Deçan zu einem Gespräch mit der Kosovarischen Botschafterin in Bern ein (das dann auch am 12. Mai stattfand, s. u.).

Um 17.15 Uhr wurden die Gastschülerinnen und –schüler sowie ihre Lehrpersonen in der Halle des Gymnasiums Neufeld Bern mit einem Apéro und einem „Ausflug“ auf die Dachterrasse (mit herrlichem Blick über Bern hin bis zu den schneebedeckten Alpen) vom Schulleiter Marius Gränicher und den gastgebenden Berner Schülerinnen und Schülern bzw. ihren Familien willkommen geheissen. Diese nahmen im Anschluss daran ihre Gäste unter ihre Obhut. Das Abendessen wurde in den Familien eingenommen.

 

Mittwoch, 10. Mai 2017

Um 8 Uhr trafen die Gäste mit „ihren“ Gastgebern im Musikzimmer der FMS Neufeld ein, wo Berner Schülerinnen und Schüler des Musikunterrichts sie mit diversen Musikbeiträgen begrüssten. Ein extra einstudiertes albanisches Lied wurde durch die kosovarischen Gäste mit einer „standing ovation“ bedankt. Nach der Einführung in das Wochenprogramm durch Rektor Marius Gränicher fanden sich die Schülerinnen und Schüler aus Deçan und Bern unter der Leitung des Musiklehrers Klaus Wloemer zu einem gemeinsamen Tanz zusammen, bevor von der 2. bis zur 5. Lektion die Schülerinnen, Schüler und Lehrpersonen aus Deçan von 8.55 bis 12.30 Uhr einen Einblick in das Unterrichtsgeschehen verschiedener Fächer der FMS Neufeld erhielten. Dadurch, dass die Gäste aus Kosovo so ausgewählt worden waren, dass sie gut Englisch und möglichst auch gut Deutsch verstanden, konnten sie dem Unterricht problemlos folgen und wurden sogar in die Aktivitäten des Unterrichts einbezogen (beispielsweise im Englischunterricht).

Nach dem gemeinsamen Mittagessen in der Mensa des Gymnasiums Neufeld erläuterte Jürg Stüssi, Geschichtslehrer an der FMS Neufeld Bern, unseren Gästen das politische und gesellschaftliche System der Schweiz – mit einer PPP in deutscher und albanischer Sprache. Eine ganze Reihe von Fragen galt es im Anschluss daran zu beantworten; die Schülerinnen und Schüler aus Deçan waren an verschiedenen Details sehr interessiert und fragten Jürg Stüssi „Löcher in den Bauch“.

Ab 15.30 Uhr hatten die Gäste aus Kosovo die Gelegenheit, Verwandte zu treffen, die in der Schweiz wohnen. Aus der Erfahrung des Besuchs im Jahr 2015 heraus war verständlicherweise der Wunsch vorhanden, dass es ein Zeitfenster für solche Treffen gibt; 2015 versuchten immer wieder einzelne Schülerinnen und Schüler, sich vom offiziellen Programm des Austauschs zu dispensieren, weil ihr Onkel oder Cousin etc. sie unbedingt sehen wollte. Das führte zu schwierigen Situationen. So wurde für den Besuch im Jahr 2017 vorgesorgt: Alle Gäste aus Kosovo wussten, dass es ein und nur ein Zeitfenster für solche Verwandtentreffen gibt. Diese Regelung hat sich bewährt und wurde zuverlässig eingehalten, indem alle Schülerinnen und Schüler rechtzeitig am Abend wieder bei ihren Gastfamilien waren oder sogar ihre gastgebenden Schülerinnen und Schüler in das Treffen einbezogen. Die Lehrpersonen aus Deçan und der Schweiz waren über die jeweiligen Treffen genau informiert.

 

Donnerstag, 11. Mai 2017

Bei recht gutem Wetter konnten wir den geplanten Ausflug ins Berner Oberland wirklich durchführen (im Jahr 2015 musste das Programm wegen Dauerregens ganz kurzfristig angepasst werden).

Um 8.30 Uhr fuhren wir mit einem Car von Bern auf die Axalp ob Brienz. Dort gab es nicht nur die phänomenale Aussicht auf den Brienzersee und die Schneeberge zu geniessen. Auf unterschiedlich anspruchsvollen Wegen wanderten Berner und Deçaner Schülerinnen und Schüler (sowie ihre Lehrpersonen) zum Hinterburgseeli, wo das Mittags-Picknick eingenommen wurde. Eine Mischung aus Wolken und Sonne liess die mindestens einstündige (für die Anspruchsvolleren bald zweistündige) Wanderung zu einem schönen Erlebnis werden. Der idyllische See, der zum grossen Teil noch von Eis bedeckt war, hat allen sehr als Kulisse für die Brotzeit gefallen.

Von der Axalp fuhr uns der Car zum Giessbach. Dort waren sowohl der Wasserfall als auch das Grandhotel die grossen Attraktionen.

Mit dem Schiff ging es kurz nach 15 Uhr hinüber nach Brienz, wo es noch eine Zeit zum Verweilen gab, die wir unter anderem dazu nutzten, interessierten Schülerinnen und Schülern aus Deçan die einmalige Brienzer Rothornbahn und ihre Geschichte zu erklären. Um 18.30 Uhr waren wir nach einem langen und erfüllten Tag wieder in Bern. Die Gastschülerinnen und -schüler gingen zu „ihren“ Familien zum Abendessen. Die Kollegen aus Deçan und Bern verbrachten ein spannendes Nachtessen im Seminarhotel Appenberg mit Gesprächen über Politik und Kultur in der Schweiz und im Kosovo.

 

Freitag, 12. Mai 2017

Wiederum um 8 Uhr begann das Tagesprogramm. Unter der Leitung von Jürg Stüssi gab es für unsere Gäste eine Führung durch die Stadt Bern, in der die Universität, die Altstadt mit dem Münster und der Bärengraben herausragende Stationen waren.

Um 10 Uhr wurden wir in der Botschaft der Republik Kosovo erwartet. Das Gespräch mit der Botschafterin, Frau Nazane Breca, war bis 10.30 Uhr geplant. Der Austausch war allerdings so intensiv und anregend, dass wir erst um 11.30 Uhr die Botschaft wieder verliessen. Die Begegnung mit der Botschafterin, den beiden Botschaftsräten und dem Leiter der Konsularabteilung war sehr konstruktiv und offen. Die Gäste aus Deçan spürten, dass die Botschaft, wo immer sie kann, die Begegnung zwischen der Schweiz und Kosovo fördert. Als ein Beispiel kann gelten, dass sich aus dem Austauschprogramm von 2015 zwischen unseren beiden Schulen ein Projekt entwickelt hat, in dem Argita Tolaj, eine ehemalige Schülerin des Gymnasiums Deçan, die jetzt Germanistik in Prishtina studiert, mit Klaus Wloemer zusammen ein Buch des berühmten kosovo-albanischen Schriftstellers Daut Demaku vom Albanischen ins Deutsche übersetzt hat, zu welchem die Botschaft den Autor und die Übersetzerin im Herbst 2017 zu Lesungen in die Schweiz einlädt und bei der Verbreitung der deutschen Übersetzung einen wesentlichen Beitrag leistet.

Nachdem der ursprüngliche Plan für den Freitag-Vormittag durch den langen Besuch in der Botschaft nicht mehr einzuhalten war (eigentlich wäre noch ein Besuch im Tierpark Dählhölzli vorgesehen gewesen), begaben wir uns in das weitläufige Gelände des Marzili und verspeisten dort unser Picknick. Um 13 Uhr trafen die Gäste aus Deçan wieder ihre Gastgeber aus der FMS Neufeld. Der Nachmittag stand zur freien Verfügung.

Um 18 Uhr begann der Schlussabend in Oberhünigen bei Klaus und Regula Wloemer. Neben reichlich Essen und Trinken gab es offizielle Ansprachen des Rektors der FMS Neufeld Bern und des Vizedirektors des Gymnasiums Deçan, Musikvorträge von kosovarischen Schülerinnen und von Schweizer Seite sowie gemeinsames Singen und Tanzen. Ausdrücklich waren auch die Eltern bzw. Familien der Schweizer Gastgeber an diesem Abend mit dabei. Erst gegen Mitternacht verabschiedeten sich die letzten Gäste von Oberhünigen.

 

Samstag, 13. Mai 2017

Um 9 Uhr versammelten sich die Gäste aus Deçan und ihre Gastgeber im Gymnasium Neufeld Bern. Es galt, Abschied zu nehmen. Stimmen wurden laut, die sagten: „Warum ist der Besuch so kurz? Es sollten besser zwei Wochen sein!“

Nach etlichen Erinnerungsphotos und der offiziellen Verabschiedung durch Rektor Marius Gränicher gab es nun manch tränenreiche Umarmung, bevor Jürg Stüssi, Marius Gränicher und Klaus Wloemer mit den Gästen abreisten.

Auf dem Weg nach Genf zum Flughafen machten wir Halt in Gruyère, wo es die Schaukäserei in der Maison Gruyère zu besichtigen galt. Anschliessend ging es noch in das historische Städtchen Greyerz, wo es allerhand zu sehen gab, und wo wir unterhalb des Schlosses unser Picknick einnahmen.

Rechtzeitig zum Einchecken erreichten wir den Genfer Flughafen und sahen an der Passkontrolle unsere Gäste hinter den Kontrollhäuschen verschwinden.

 

Eine intensive und für beide Seiten fruchtbare Zeit war zu Ende gegangen. Wir freuen uns darauf, dass im Jahr 2018 mit dem Besuch einer Gruppe der FMS Neufeld Bern im Gymnasium Vëllezërit Frashëri Deçan die Beziehungen zwischen unseren beiden Schulen weiterhin gepflegt und vertieft werden. Für die Kontinuität garantiert das in beiden Schulen stabile Team der Lehrpersonen, die in diesen Austausch involviert sind. Für die ständige Auffrischung und Erneuerung sorgen die von Jahr zu Jahr bzw. im Rhythmus von zwei Jahren wechselnden Schülerinnen und Schüler, die sich am Austausch beteiligen.

 

Bern, 18.5.2017

Klaus Wloemer