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Besuch aus dem Kosovo

Kosovo und die Schweiz: Bericht der sechsten Austauschwoche FMS Bern Neufeld – Gymnasium Deçan

Bereits zum sechsten Mal fand diesen Frühling der Schulaustausch zwischen der FMS Neufeld und dem Gymnaisium Vëllezërit Frashëri in Deçan statt. 15 Schülerinnen und Schüler und drei Lehrpersonen aus Deçan verbrachten fünf Tage in Bern. Herzlichen Dank an Klaus Wloemer für das Verfassen des Berichts und Jürg Stüssi für die Fotos!

 

Tag 1 - Montag, 6.5.2019

Mit vierminütiger Verspätung landete um 11.39 Uhr das Flugzeug, aus Prishtina kommend, mit unseren Gästen in Genf, wo sie von Lehrpersonen der FMS des Gymnasiums Neufeld Bern, Verena Scherrer, Jürg Stüssi und Klaus Wloemer, in Empfang genommen wurden. Bei schönstem Wetter fuhren wir mit dem Zug an der Kulisse des Genfersees entlang via Lausanne und Fribourg nach Bern. Zur Stärkung diente ein Picknick, das wegen der langen Reise gerne von unseren Gästen genossen wurde – sie waren kurz nach 6 Uhr in Deçan losgefahren.

In Bern standen um 15.15 Uhr mit einem kleinen Apéro – vorbereitet von den Berner Schülerinnen und Schülern – die Gastgeber der FMS Neufeld und der Schulleiter, Marius Gränicher, in der grossen Halle des Gymnasiums, bereit, um die Gäste aus Deçan willkommen zu heissen. Nach einer kleinen Willkommensansprache von Marius Gränicher stärkten sich alle Anwesenden mit dem Apéro. Danach wurden die Gäste mit ihren jeweiligen Gastgebern «zusammengeführt», soweit sie sich nicht von der gemeinsamen Zeit im April 2018 in Deçan her kannten (letzteres traf auf jeweils vier der Schülerinnen und Schüler aus Bern und aus Deçan zu). Gegen 16.30 Uhr begaben sich die Gäste zu ihren Gastfamilien und verbrachten dort den Abend miteinander.

 

Tag 2 - Dienstag, 7.5.2019

Wegen der ausgeprägt schlechten Wetterprognose für den Mittwoch haben wir das Programm der beiden Wochentage Dienstag und Mittwoch umgestellt, was sich als gute Entscheidung herausstellte: Am Dienstag strahlte die Sonne, am Mittwoch gab es Dauerregen. So brachen wir am 7. Mai um 8.04 Uhr im Berner Bahnhof auf zum Ausflug ins Berner Oberland. Im Kosovo gibt es keine Möglichkeit, mit dem Schiff zu reisen, und auch die Möglichkeit, als Verkehrsmittel den Zug oder eine Gondelbahn zu benutzen, ist fast nicht gegeben. Deshalb wählten wir einen Ausflug, bei dem sowohl der Zug als auch zweimal eine Gondel, zudem das Postauto und ein Schiff benutzt wurden. Die Gäste und ihre gastgebenden Berner Schülerinnen und Schüler fuhren zunächst nach Lauterbrunnen, um gerade anschliessend auf die Grütschalp weiterzureisen. Von dort aus gab es einen ca. eineinhalbstündigen Fussmarsch hinüber nach Mürren. Auf dieser kleinen Wanderung war uns das eindrucksvolle Panorama mit Eiger, Mönch und Jungfrau im Mittelpunkt stets vor Augen. Da es am Wochenende zuvor dort oben (zwischen 1450 und 1650 m ü. M.) noch einmal kräftig geschneit hatte, bot es sich an, die Wanderung ab und zu für eine engagierte Schneeballschlacht zu unterbrechen. Angesichts der phänomenalen Aussicht sagte Hamid Qorraj, der Leiter des Gymnasiums Deçan: "Hier müssen Adam und Eva geboren worden sein; hier ist das Paradies!"

In Mürren gab es genügend Bänke und Tische im Sonnenschein, so dass wir dort das mitgebrachte Picknick verzehren konnten. Am frühen Nachmittag ging es mit der Gondel von Mürren aus wieder abwärts nach Stechelberg, von wo aus uns das Postauto zu den Trümmelbachfällen brachte. Der Personenlift im Berg und die zehn Wasserfälle, die sich zum Teil im Berg, zum Teil «im Freien» in die Tiefe stürzen, haben uns alle ausserordentlich beeindruckt.

Mit Postauto und Bahn reisten wir weiter nach Spiez. Nach einem Spaziergang vom hochgelegenen Bahnhof aus durch das Städtchen am Thunersee bestiegen wir um 16.53 Uhr das Schiff, welches uns nach Thun brachte. Um 18.24 Uhr trafen wir mit dem Zug wieder in Bern ein, müde, aber voll von vielen schönen Eindrücken, die uns die Landschaft und auch die «Technik» vermittelt haben. Zum Abendessen und freien Abend reisten alle individuell nach Hause.

 

Tag 3 - Mittwoch, 8.5.2019

Der Mittwoch-Vormittag war dem Besuch des Unterrichts der FMS Neufeld durch die Gäste aus dem Kosovo gewidmet. Um 8.30 Uhr wurden die Schülerinnen und Schüler auf die verschiedenen Lektionen und Unterricht-sfächer verteilt. Bis 11.35 Uhr gab es Unterricht in Psychologie, Deutsch, Philosophie, Naturwissenschaften, Geschichte, Englisch etc. Von 11.45 Uhr an trafen sich alle Gäste im Musikzimmer, wo mit dem Chor der FMS zusammen gesungen wurde.

Das Mittagessen in der Mensa des Gymnasiums Neufeld stärkte unsere Gäste für den Nachmittag, an dem die Schülerinnen und Schüler aus dem Kosovo durch Jürg Stüssi in das politische System der Schweiz eingeführt wurden. Auch die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Schweiz und der Republik Kosovo kamen dabei zur Sprache.

Von 16 Uhr an gab es für die kosovarischen Gäste die Möglichkeit, sich mit Verwandten zu treffen, die in der Schweiz leben. In früheren Jahren des Austausches haben wir festgestellt, dass ein Zeitfenster für solche Begegnungen den Menschen aus dem Kosovo wichtig ist, da sie sonst wegen der restriktiven Handhabung der Vergabe von Touristenvisa durch die Schengen-Staaten solche Treffen in der Schweiz fast unmöglich sind. Am Abend waren die Gäste wieder zurück in ihren Gastfamilien.

 

Tag 4 - Donnerstag, 9.5.2019

Eigentlich wäre für diesen Vormittag eine Begegnung der Kosovarischen Schülerinnen und Schüler in der Botschaft ihres Landes in Bern vorgesehen gewesen. Da sich die Botschaft trotz wiederholten Versuches der Kontaktaufnahme nicht bei den Organisatoren der FMS Neufeld gemeldet hat, haben wir am Vormittag ein anderes Programm durchgeführt.

Unter der Leitung von Jürg Stüssi gab es eine Führung durch die Stadt Bern (Universität, Bahnhof, Münster, Rathaus, Bärengraben, Münsterplattform). Nach dem Verzehr des Picknicks auf der Münsterplattform ging es dann weiter ins Albert Einstein-Museum. Nach einer kurzen Periode freier Zeit (die zum Einkaufen von Souvenirs genutzt wurde) fand der Nachmittag seine Fortsetzung im Bundeshaus. Dort verfolgten wir auf der Tribüne live die Sondersession des Nationalrates, für die uns Kurt Fluri, Nationalrat aus Solothurn, Plätze hatte reservieren lassen. Es war natürlich ein besonders glücklicher Zufall, dass die Gäste aus dem Kosovo eins zu eins den Parlamentsbetrieb unten im Saal erleben konnten. Vor allem die plötzliche Hektik, die im Moment der Abstimmungen jeweils aufkam, hat sie sehr beeindruckt. Von 17 bis 17.45 Uhr stand Nationalrat Fluri dann den kosovarischen Schülerinnen und Schülern Rede und Antwort. Es entstand ein fruchtbares Gespräch, in dem manch eine Frage zur Demokratie in der Schweiz gestellt und beantwortet werden konnte.

Nun blieb nicht mehr viel Zeit: Um 19 Uhr schon begann der Schlussabend im Hause von Klaus und Regula Wloemer in Oberhünigen, wo sich alle Gäste und Gastfamilien einfanden. Neben genügend Essen und Tranksame (inklusive wunderbarer selbstgemachter Desserts aus den Küchen der Schweizer Schülerinnen und Schüler) wurde intensiv zu Kosovarischen Melodien getanzt. Manch gutes Gespräch, auch mit den Eltern der gastgebenden Schülerinnen und Schüler, hatte Platz. 

 

Tag 5 - Freitag, 10.5.2019

7.15 Uhr: Verabschiedung der Gäste im Bahnhof Bern und Fahrt mit der Bahn nach Basel, Stadtrundgang in Basel und freie Zeit in der Stadt (Begleitung: Klaus Wloemer, Jürg Stüssi)

13.15 Uhr: Abflug von Basel

 

Hinter diesen nüchternen Angaben versteckten sich fast dramatische Szenen des Abschieds. Zwischen den Lehrpersonen beider Schulen haben sich die Bande weiter gefestigt. Besonders wertvoll war, dass der neue Direktor des Gymnasiums Deçan, Hamid Qorraj, die Schülerinnen und Schüler seiner Schule in die Schweiz begleitet hat und sich dadurch von der Ernsthaftigkeit und Tiefe der Begegnungen und des ganzen Austausches überzeugen konnte. In ihm wird der Austausch in Zukunft auf jeden Fall einen überzeugten Fürsprecher auf kosovarischer Seite haben.

Es war bewegend zu sehen, wie sich die Kosovarischen Schülerinnen und Schüler sowie ihre Berner Gastgeber auf dem Bahnsteig im Berner Bahnhof fast nicht voneinander trennen konnten. Viele Tränen des Abschieds sind geflossen. Die Freundschaften aus dem letzten Jahr fanden ihre Vertiefung in diesen Tagen in Bern. Zudem wurden viele neue Freundschaften geschlossen. Erst während dieser Woche haben wir erfahren, dass im vergangenen Winter eine Gastfamilie aus der Schweiz die Schülerin aus Deçan, bei der die Schweizer Schülerin im April 2018 zu Gast gewesen war, im Winter 2018/2019 zu einem Besuch in die Schweiz eingeladen hat und sogar ein Touristenvisum erwirken konnte.